Krieg im Nahen Osten: Was kommt noch auf die Ölpreise zu?

Sophie Schneider am 11.03.2026

Die Eskalation im Nahen Osten lässt die Ölpreise steil ansteigen – und nicht nur Heizölkunden machen sich Sorgen, wie weit die Rallye noch gehen wird. Wir beleuchten die Hintergründe der Preisentwicklung und analysieren mögliche Szenarien für die kommende Zeit.

Das Bild zeigt ein großes Öltankerschiff auf ruhiger See. Der Frachter transportiert Rohöl über internationale Seewege – ein zentraler Bestandteil der globalen Energieversorgung. Solche Tanker stehen sinnbildlich für weltweite Lieferketten und Faktoren, die die Heizölpreise beeinflussen, etwa Transportwege, geopolitische Ereignisse und die Verfügbarkeit von Rohöl auf dem Weltmarkt.

Warum steigen die Ölpreise so stark?

Die Ölpreise steigen so stark, weil der Krieg im Nahen Osten gleich zwei elementare Faktoren der Preisbildung betrifft: die Rolle der Region für den Ölmarkt und die Mechanismen des Marktes selbst.

Der Nahe Osten hat die höchste Dichte an ölexportierenden Ländern auf dem Globus. Staaten wie Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait oder auch die Vereinigten Arabischen Emirate produzieren zusammen etwa ein Viertel der täglichen Ölmenge weltweit.

Alle diese Staaten werden momentan in den Konflikt mit Iran hineingezogen. Iranische Raketen und Drohnen beschädigten bereits mehrfach Ölinfrastrukturen, legten Häfen lahm oder behindern auf andere Weise die Produktion und den Export.

Zudem kontrolliert Iran die Straße von Hormus – eine wichtige Meerenge im Persischen Golf, durch die die meisten Öltanker der Region hindurchmüssen. In Friedenszeiten wird rund ein Fünftel der globalen Tagesproduktion hier durchgeschleust. Mit jedem weiteren Tag der Blockade gelangt damit immer weniger Öl an sein Ziel.

Solche Rechnungen stellt auch der Markt an. Öl wird weniger als sofort verfügbare Ware denn als sogenannter Terminkontrakt gehandelt. Marktteilnehmer denken also weiter in die Zukunft. Sie rechnen aus, dass bei einem anhaltenden Konflikt die verfügbaren Mengen auf dem Ölmarkt weiter schrumpfen und die Preise damit steigen werden – was die Preise schon jetzt steigen lässt.

Zu diesem psychologischen Effekt kommen sogenannte Risikoprämien hinzu, die zum Beispiel längere und teurere Transportwege für das Öl einkalkulieren.

Wie werden sich die Ölpreise weiter entwickeln?

Wie sich die Ölpreise in der Zukunft entwickeln, hängt stark vom weiteren Verlauf des Kriegs ab – aber auch von der Einschätzung der Märkte.

Fakt ist, dass drei Viertel der täglichen globalen Ölmenge nicht von diesem Konflikt betroffen sind. Schließlich fließt das Öl aus Ländern wie Norwegen, den USA oder Kasachstan weiter.

Fakt ist auch, dass der Ölmarkt abseits der akuten Lage von einer eher verhaltenen Nachfragesituation geprägt ist. Wirtschaftliche Unsicherheit beeinflusste die Preisbildung bislang nachhaltig, dementsprechend niedrig waren auch die Notierungen.

An dieser Situation hat sich grundsätzlich nichts geändert. Vielmehr könnte sie sich durch gekappte Fluglinien und gestörte Handelswege noch verschärfen. Dies könnte schnell wieder Druck aus den Notierungen nehmen.

Zudem animieren stark gestiegene Ölpreise über kurz oder lang zu Gewinnmitnahmen an den Börsen, also dem Verkauf von Terminoptionen. Wie auch bei Aktien bedeuten solche Verkäufe sinkende Preise.

Diese Gegengewichte müssen aber immer dahingehend beurteilt werden, ob die Kämpfe weiter eskalieren und Ölinfrastrukturen in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch muss beobachtet werden, welche Lösungen für die Blockade der Straße von Hormus gefunden werden.

Was bedeutet die aktuelle Situation für den Heizölkauf?

Selbst in einem ruhigen Marktumfeld stehen die Preise nie still, jeder neue wirtschaftliche oder politische Faktor sorgt für Auf- und Abschwünge. In einer Ausnahmesituation ist das nicht anders.

Die Erfahrung aus dem Ausbruch des Kriegs Russlands gegen die Ukraine hat gezeigt, dass die internationale Staatengemeinschaft und auch der Ölmarkt das Angebot auf dem Weltmarkt neu bewerten und alternative Beschaffungswege etablieren können. Gleichzeitig dürften nach dem ersten Schock über die Lage im Nahen Osten auch wieder die Nachfragefaktoren in den Mittelpunkt rücken.

Für Heizölkunden ist es generell immer wichtig, sich über die Preisentwicklung zu informieren. Unsere täglichen Heizöl-News ordnen die aktuellen Entwicklungen ein und helfen dabei, die Preissituation zu bewerten. Analog dazu unterstützt unsere Heizölpreisseite bei der individuellen Entscheidung, wann der beste Zeitpunkt zum Auffüllen des Tanks gekommen ist.

 

Stand: 10.03.2026