Warum steigen die Ölpreise so stark?
Die Ölpreise steigen so stark, weil der Krieg im Nahen Osten gleich zwei elementare Faktoren der Preisbildung betrifft: die Rolle der Region für den Ölmarkt und die Mechanismen des Marktes selbst.
Der Nahe Osten hat die höchste Dichte an ölexportierenden Ländern auf dem Globus. Staaten wie Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait oder auch die Vereinigten Arabischen Emirate produzieren zusammen etwa ein Viertel der täglichen Ölmenge weltweit.
Alle diese Staaten werden momentan in den Konflikt mit Iran hineingezogen. Iranische Raketen und Drohnen beschädigten bereits mehrfach Ölinfrastrukturen, legten Häfen lahm oder behindern auf andere Weise die Produktion und den Export.
Zudem kontrolliert Iran die Straße von Hormus – eine wichtige Meerenge im Persischen Golf, durch die die meisten Öltanker der Region hindurchmüssen. In Friedenszeiten wird rund ein Fünftel der globalen Tagesproduktion hier durchgeschleust. Mit jedem weiteren Tag der Blockade gelangt damit immer weniger Öl an sein Ziel.
Solche Rechnungen stellt auch der Markt an. Öl wird weniger als sofort verfügbare Ware denn als sogenannter Terminkontrakt gehandelt. Marktteilnehmer denken also weiter in die Zukunft. Sie rechnen aus, dass bei einem anhaltenden Konflikt die verfügbaren Mengen auf dem Ölmarkt weiter schrumpfen und die Preise damit steigen werden – was die Preise schon jetzt steigen lässt.
Zu diesem psychologischen Effekt kommen sogenannte Risikoprämien hinzu, die zum Beispiel längere und teurere Transportwege für das Öl einkalkulieren.